Chronik der Freiwilligen Feuerwehr Rust 1873 - 1973

Unsere heutige Feuerwehr ist aus der örtlichen Löschgemeinschaft herausgewachsen, die vermutlich Jahrhunderte zurückgeht und deren Rechte und Pflichten in den örtlichen Feuerlöschordnungen niedergelegt war. Die älteste noch vorhandene Feuerlöschordnung stammt aus dem Jahre 1862. Sie enthält im Wesentlichen die Einteilung der Löschmannschaften im Brandfalle. Es werden u.a. darin erwähnt: Spritzenmeister, Hahnenreparierer, Feuerreiter, die Bedienung der Feuerspritze, Personen zum Beischaffen von Wasser und Einreißen und Abreißen am Brandplatz. Weitere Personen sind zur Rettung von Menschen, Tieren und Mobiliar eingeteilt. Die Leitung am Brandplatz hat der Bürgermeister.

Im Frühjahr 1873 erfolgte dann unter dem damaligen Bürgermeister Berthold Schmidt die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Rust. Das Großherzogliche Bezirksamt Ettenheim hat mit Beschluss vom 28. Mai 1873 die Gründung genehmigt.

Nach der im Gemeindearchiv vorhandenen „Feuerlöschordnung für den Marktflecken Rust“ vom Jahre 1875 bestand die Lösch- und Rettungsmannschaft aus

a) der aktiven uniformierten Freiwilligen Feuerwehr,

b) der nicht uniformierten Hilfsmannschaft

Alle Bürger und Bürgersöhne vom 18. bis 40. Lebensjahr sind verpflichtet, in der Hilfsmannschaft Dienst zu leisten.Die ersten Feuerwehrkommandanten waren Eduard Schmidt, Major von Böcklin und Ambros Bumann.

Im November 1876 erhält die Freiwillige Feuerwehr als Geschenk einer Feuerversicherungsgesellschaft eine zweirädrige Druckfeuerspritze, hergestellt von der Firma Joseph Beduwe in Aachen im Wert von 360 Mk. Diese Spritze war ursprünglich Herrn Baron Freiherr von Böcklin geschenkt worden, dieser hat jedoch zu Gunsten der Gemeinde verzichtet.

Es kam nun die Zeit der ersten großen Feuerwehrfeste. So hat sich die Ruster Feuerwehr am 10. August 1875 an der Fahnenweihe der Freiwilligen Feuerwehr Waldkirch und im Jahre 1878 an einem großen Feuerwehrfest in Endingen beteiligt.

Im Jahre 1887 unter Kommandant Karl Becherer wurde der Freiwilligen Feuerwehr aufgrund eines Antrags an den Gemeinderat als sogenannte „Bestimmte Einkünfte zur Bestreitung der nötigen Ausgaben“ der Bürgergeldbeitrag bewilligt. Diese Zuwendung ist bis zur gesetzlichen Aufhebung des Bürgernutzens im Jahre 1966 erhalten geblieben.

Das Jahr 1890 brachte im Ort zwei Großbrände, in der Fischerstraße beim Anwesen Friedrich Lang im Gäßle (heute Deibel Schmied) und im Krämer- und Schiedegäßle am selben Tag bei Gustav Baumann, Leopold Metzger, Leopold Pfeffer und Karl Metzger.

Im Juli 1890 erhält die Freiwillige Feuerwehr eine vierrädrige Fahrspritze Fabrikat Grether & Co., Löschmaschinen- und Pumpenfabrik Freiburg, zum Preis von 1075 Mk. Hierzu hat der Verwaltungsrat der Landesfeuerwehr-Unterstützungskasse in Karlsruhe einen Zuschuss von 300 Mk. gewährt. Kommandant war in dieser Zeit Nepomuk Schmider bis 1895. Ihm folgte Wilhelm Utz, welcher im Jahre 1898 zum Bürgermeister gewählt wurde und damit das Kommando wieder abgab.

Neben den damals bei der Bevölkerung sehr beliebten Waldfesten, die in den neunziger Jahren unter Mitwirkung der Musikkapelle fast jährlich stattfanden, brachte das Jahr 1898 das erste größere Fest der Freiwilligen Feuerwehr Rust.

Unter starker Beteiligung auswärtiger Feuerwehren wurde am 12. Juni 1898 im ehemaligen Synagogengarten das 25-jährige Bestehen festlich begangen. Hierbei konnten eine Anzahl verdienter Feuerwehrmänner aus der Gründungszeit ausgezeichnet werden. Es war eine besondere Ehre, bei diesem Fest als Festdame oder Festführer ausgewählt worden zu sein.

Im Jahre 1898 übernimmt Schlossermeister Wilhelm Spoth das Kommando bis zu seinem Tode im Jahre 1906. Ihm folgte Ochsenwirt Peter Becherer bis zum Jahre 1909 und von 1909 bis 1919 Landwirt Josef Utz.

Weitere Großbrände, an die sich heute noch lebende Alterskameraden erinnern können, waren im Jahr 1907 bei Franz Gruninger und Emil Gruninger, ebenfalls im Unterdorf.

Zu Beginn des ersten Weltkriegs standen nach dem Inspektionsbericht des Feuerlöschinspektors Kollofrath in Ettenheim für den Feuerlöschdienst in Rust insgesamt 76 Feuerwehrleute und 26 Mann der Hilfsmannschaft zu Verfügung. Währen der Kriegsjahre, wo viele Feuerwehrmänner zum Kriegsdienst einberufen waren, wurde eine Jugendfeuerwehr gegründet, die allerdings nach Kriegsende wieder aufgelöst wurde. Fünf Feuerwehrkameraden mussten im Krieg ihr Leben lassen.

Im Jahre 1919 hat Josef Utz das Kommando an Friedrich Haser übergeben. Am 28. und 29. Juni 1925 wurde das 50-jährige Bestehen der Feuerwehr gefeiert, um 2 Jahre verspätet, vermutlich wegen der vorausgegangenen Inflationsjahre. Festplatz war der Garten des Max Baumann, jetzt Martin Sigg in der Gärtnerstraße.

Im Jahre 1933 war wieder ein Großbrand bei den Anwesen Ambros Bumann und Wilhelm Herdrich II in der Fischerstraße zu verzeichnen. Damaliger Kommandant war seit 1929 Franz Utz. Am Landesfeuerwehrfest im Jahr 1936 in Karlsruhe war die Wehr mit einer Abordnung von 18 Mann vertreten.

Während des zweiten Weltkrieges wurde der Brandschutz hauptsächlich von den älteren Feuerwehrleute wahrgenommen, da die jüngere Generation zum Kriegsdienst eingezogen war. Im Jahr 1943 erhält die Wehr die erste fahr- und tragbare Benzinmotorspritze Fabrikat Balcke zum Preis von 3454 RM. Die Beschaffung dieser Motorspritze war, bedingt durch die Kriegereignisse und Frontnähe, von der damaligen Reichsregierung angeordnet worden. Sie erhielt ihre Feuertaufe beim Brand bei Blechnermeister Karl Utz im Löwengäßle im Januar 1944. Die Kriegsjahre 1944/45, in denen mehrere Häuser und Scheunen durch feindlichen Beschuss in Brand gesteckt wurden, brachten für die noch in der Heimat verbliebenen Feuerwehrleute ein höchstes Maß an Einsatzbereitschaft.

Der alte Geist der Feuerwehr, Hab und Gut vor Feuergefahr und Notständen zu sichern und dem nächsten Hilfe zu leisten, blieb trotz der Eingriffe des nationalsozialistischen Regimes erhalten. Auch die Blutopfer im Felde und in der Heimat – sechs Feuerwehrkameraden sind aus dem Kriege nicht mehr heimgekehrt – und der totale Zusammenbruch im Jahre 1945 konnte die Rückkehr zur alten Einrichtung nicht aufhalten. Im Jahre 1947 erfolgte aufgrund der Vorschriften der damaligen französischen Besatzungsmacht die Neuaufstellung der Feuerwehr im ganzen Lande. Für die Ruster Freiwillige Feuerwehr wurde die Stärke der Wehr auf 27 Mann festgesetzt. Das Kommando übernahm Schreinermeister Franz Joseph. Die älteren Feuerwehrwehrkameraden wurden in die Altersabteilung überführt.

Im Jahre 1949 ist Zimmermann Franz Koßmann zum Kommandanten gewählt worden. Es setzte nun wieder eine Zeit kontinuierlicher Entwicklung ein, getragen von echter Kameradschaft und Gemeinschaftssinn.

Im Jahre 1952 / 53 hat die Gemeinde neben der alten Synagoge in der Ritterstraße ein neues Feuerwehrgerätehaus erstellt, welches anlässlich des großen Feuerwehrfestes zum 80-jährigen Bestehen der Wehr vom 20. – 22. Juni 1953 seiner Bestimmung übergeben werden konnte. Das Jubiläumsfest, an welchem sich über 30 Wehren aus den Kreisen Lahr und Emmendingen beteiligten, war ein großer Erfolg für die Ruster Wehr. Eine große Schauübung der Wehren Lahr-Ettenheim und der Festzug am Sonntagnachmittag waren besondere Anziehungspunkte für die Gäste aus Nah und Fern.

Zur Verbesserung der Löschwasserversorgung hat die Gemeinde in den 50er Jahren 4 Tiefbrunnen erbauen lassen. Im August 1958 erhielt die Wehr eine neue TS 8 Bachert-Motorspritze. Schon nach wenigen Tagen beim Brand im Farrenstall konnte sie ihre Bewährungsprobe bestehen.

An weiteren Bränden in der Nachkriegszeit wäre noch zu erwähnen der Dreschmaschinenbrand bei Baron v. Böcklin 1948, der Brand der landwirtschaftlichen Gebäude von Sebastian Hauser und Karl Link Wwe, im Löwengäßle 1949, der Brand in der Wagnerei Xaver Schwarz in der Baumeisterstrasse 1950, der Großbrand im Gasthaus Löwen im Jahre 1953 sowie der Brand im Anwesen Anna Baumann 1962.

Der allseits beliebte Kommandant Franz Koßmann ist im Jahre 1963 durch einen jähen Tod aus den Reihen der Feuerwehr entrissen worden. Zu seinem Nachfolger wurde Maurermeister Franz Lang gewählt, welcher bis zum heutigen Tag sehr rührig und aufgeschlossen führt.

Unter dem Kommando von Franz Lang sind an großen Bränden zu verzeichnen im Jahr 1968 am Anwesen Feißt in der Fischerstraße, in der Neujahrsnacht 1968 / 69 der Werkstattbrand der Schreinerei Franz Joseph und im Dezember 1969 der Werkstattbrand bei Remigius Roth sowie der Brand am Wohn- und Ökonomiegebäude des Karl Baumann in der Karl-Friedrich-Straße.

Auch die Pflege der Kameradschaft innerhalb der Wehr sowie auf einen guten Kontakt mit der Bevölkerung wird seitens des Kommandos größter Wert gelegt. So fanden neben den internen Veranstaltungen (Ausflüge, Weihnachtsfeiern und dgl.) jeweils in den Jahren 1963, 1965, 1968, 1970 und 1972 größere Gartenfeste teils zusammen mit dem Männergesangverein statt, die bei der Einwohnerschaft immer guten Anklang fand.

Ein bedeutendes Ereignis in jüngster Zeit war die Übergabe eines neuen Löschfahrzeug (LF 8) am 7. Mai 1971 durch Bürgermeister Spoth. Mit der Inbetriebnahme dieses modernen Fahrzeuges konnte die Schlagkraft der Wehr wesentlich verbessert werden.

Zum Jubiläumsfest hat die Gemeinde die gesamte Feuerwehr neu eingekleidet. Hiermit soll der Dank und die Anerkennung gegenüber jedem einzelnen Feuerwehrmann öffentlich zum Ausdruck gebracht werden.

In den hundert Jahren ihres Bestehens konnte die Freiwillige Feuerwehr stets ihre Schlagkraft und ihre Opferbereitschaft unter Beweis stellen. Die vielen Männer, die sich in dieser langen Zeit für den Feuerwehrdienst zur Verfügung gestellt haben, verdienen Dank und Anerkennung. Mögen sich auch in Zukunft immer wieder Männer finden, die in treuer Kameradschaft in den Reihen der Wehr dienen und ihre Pflicht erfüllen nach dem alten Wahlspruch: „Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“.

 

   

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